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FARBE UND LICHT DER ANTIKEN BRONZEPLASTIK


Seit jeher werden kunsthistorische Forschungen zur antiken Bronzeplastik im universitaeren Bereich anhand von Photographien oder auch Abguessen unternommen. Studien ueber die formale und stilistische Entwicklung der Plastik, insbesondere der Zeit des Uebergangs von der Archaik zur Klassik und dann bis zum Hellenismus standen stets im Mittelpunkt des Interesses von Forschung und Lehre und stuetzen sich heute auf eine lange und solide Tradiktion . Mit grosser Sorgfalt sind insbesondere die anatomischen Details der Statuen, die Entwicklung der Stand-und Bewegungsmotive und die Modellierung der Koerper untersucht worden. Weniger Aufmerksamkeit ist jedoch den zusaetzlischen Gestaltungsmerkmalen gewidmet worden, die aus anderen Materialien als Bronze bestehen , wie z.B. solchen aus Kupfer, Silber, Elfenbein, Marmor und Glaspasten. Aber auch eine Beurteilung der Oberflaechen der Bronzen , der Patina und der kalten Nachbearbeitung ist selten unternommen worden. Erst die in juengster Zeit angewandten neuen Methoden und die modernen Instrumente, die bei Restaurierungen eingesetzt werden, erlauben es, viele neue Details aufzudecken, und zwar auch an Bronzestatuen , die schon seit langer Zeit bekannt und in den Museen ausgestellt sind. So wurden zum Beispiel Besonderheiten wie die Blutspuren der Verletzungen des Boxers im Thermenmuseum Rom , die durch rotes Kupfer angegeben sind, erst vor wenigen Jahren unter den Verkrustungen und der Korrosion entdeckt. Die farbige Gestaltung zahlreicher Einzelheiten der Bronzeplastik eroeffnet in ihrer Gesamtheit eine neue Dimension der Rezeption, die unsere Kenntnisse erweitert und einen Zugang zum Verstaendnis der Einschaetzung und Beurteilung dieser Kunstwerke innerhalb der antiken Gesellschaft ermoeglicht: Augen mit weissen Augenaepfeln aus Elfenbein und dunkler Iris und Pupille, rote Lippen, und silberne Zaehne auf einem Untergrund von wie emailliert wirkender schwarzer Patina liessen bestimmte Bronzen viel "wirklicher" erscheinen . Dank dieser polychromen Zutaten war das Verhaeltnis zwischen dem Bildwerk und dem antiken Betrachter wahrscheinlich viel gefuehlsbetonter als wir es heute vermuten koennen; der aussergewoehnliche Besucherandrang , den die Ausstellung der Krieger von Riace hervorrief, gibt uns eine Vorstellung davon, dass derartige emotionale Bezuege durchaus auch heute noch wirksam werden. Neben der Perfektion der Ausbildung der maennlichen Koerper, war das Publikum besonders beeindruckt von der Lebhaftigkeit der durchdringenden Blicke der beiden Figuren. Ein weiterer von der Forschung kaum beachteter Aspekt, ist mit der Behandlung der Oberflaeche der antiken Bronzen gegeben . Der Grund dafuer ist in den bis vor kurzem mangelhaft durchgefuehrten Restaurierungen zu suchen. Vor allem hat man bei der Reinigung nicht die Beschaffenheit der Originaloberflaeche erkannt. Deshalb sehen wir heute auf vielen Bronzen nur die rekonstruierte Patina, die nicht im geringsten den originalen farbigen Aspekt beruecksichtigt und ebensowenig die Spuren der kalten Nachbearbeitung . So ist auch die Kunst , das Licht einzufangen um Einzelformen hervorzuheben, wie sie sich z.B. durch die Behandlung mit dem Schaber am Kapitolinischen Pferd zu erkennen gibt, bislang noch nicht verstanden worden. Ein weiteres zentrales Thema des Seminars wird der Effekt des Tageslichts sein, in dem die Antiken ihre Bronzen sehen mochten, sowie, wie im Fall der Lampentraeger (Lychnouchoi), des kuenstlischen Lichts der Oellampen, die sie waehrend der roemischen Bankette trugen. Ausgehend von diesem Problem, werden wir uns auch mit der modernen Beleuchtungstechnik der Museen befassen, die den heutigen Besucher befaehigen sollte , die Bronzen in jenem Licht zu sehen, in welchem in der Antike die Statuen erschienen.